Die 5 gefährlichsten Fehlannahmen über die Private Krankenversicherung

Februar 10, 2010 10 Kommentare 

Durch die Zusatzbeiträge einiger gesetzlicher Krankenversicherungen geht die Diskussion Private vs. Gesetzliche Krankenversicherung wieder hoch her.

Aus vielerlei Kommentaren und Bemerkungen habe ich mal die fünf gefährlichsten Fehlannahmen zu den Privaten Krankenkassen extrahiert.

Irrtum 1: Privatpatienten werden besser behandelt

Auch gerne: “Privatpatienten bekommen die besseren Arztleistungen”

Das ist so pauschal nicht korrekt. Es kommt wie immer darauf an. Nach Einführung des sog. Basistarifs bei den Privaten Krankenversicherungen, sollte – zumindest theoretisch – eine Besserstellung der Vergangenheit angehören. Der Basistarif sichert innerhalb der Privaten Krankenversicherung die Leistungen zu, die auch die gesetzliche Krankenversicherung bietet.

Private Krankenversicherung, Patientenablage (© Dot.ti Photocase.com)Ein Besserstellung ergibt sich dennoch, wenn auch minimal, dass man z.B. in Arztpraxen behandelt wird, die eigentlich keine Patienten mehr aufnehmen. Als Privatpatient genießt man hin und wieder auch die Privilegien einer verkürzten Wartezeit (aber das hängt vom jeweiligen Arzt ab).

Wer über die Private Krankenversicherung z.B. die Chefarztbehandlung integriert hat, kann zumindest sicher sein, dass er vom Chefarzt behandelt wird ;-)
Ob das “besser” ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Privat Versicherte sollten zudem darauf achten, welche Leistungen von der Versicherung gedeckt sind und welche nicht. Hier können im Kleingedruckten Leistungen ausgeschlossen sein (z.B.: psychotherapeutische Leistungen oder Leistungen für bekannte Vorerkrankungen.

Ein grundsätzlicher Vorteil ist jedoch, dass man seinen Arzt frei wählen kann (es sei denn man hat einen Haus- oder Primärarzt-Tarif). So muss man mit einer Hauterkrankung nicht erst zum Hausarzt, um dann zum Dermatologen geschickt zu werden (wer hat sich diesen Schwachsinn eigentlich für die gesetzliche Krankenversicherung ausgedacht?). Man geht einfach direkt zum Dermatologen (und man zahlt keine Praxisgebühr (apropos Schwachsinn ;-) )

Irrtum 2: Ein Wechsel in die Gesetzliche Krankenkasse ist möglich

Dies ist definitiv nicht so. Der Wechsel von der Gesetzlichen in die Private Krankenkasse ist (im Normalfall) eine Einbahnstraße. Es gibt diverse Ausnahmen, z.B. dass der Jahresverdienst unter die Versicherungspflichtgrenze sinkt.
Aber davon sollte man beim Wechsel in die Private eher nicht ausgehen.

Auch ein Wechsel in eine andere Private Krankenkasse ist meistens nicht sinnvoll, drum prüfe wer sich ewig bindet. Wer seine Private Krankenversicherung vor dem 1.1.2009 abgeschlossen hat, verliert bei einem Wechsel seine Altersrückstellung. Die Altersrückstellung ist ein “Geldtopf”, der von der Private Krankenkasse für jeden Versicherten angelegt wird, um die höheren Leistungen mit zunehmendem Alter besser abzudecken.
Selbst bei Abschluss der Privaten Krankenversicherungen nach dem 1.1.2009 ist es fraglich wie viel von diesem “Geldtopf” zur neuen Versicherung transferiert werden kann.

Mit zunehmendem Alter wird es zusätzlich kritischer, dass bei einer Gesundheitsprüfung gewissen “Unstimmigkeiten” entdeckt werden, die zu Leistungsausschlüssen führen.

Irrtum 3: Die Private Krankenversicherung zahlt alles

Dieses Argument hört sich an wie aus dem letzten Jahrhundert. Auch hier hängt das vom jeweiligen Vertrag ab. Wer seine Private Krankenversicherung mit jedem Zusatzpaket aufpeppelt, bekommt sicherlich auch alles Mögliche bezahlt. Er zahlt dafür allerdings auch entsprechend hohen Beitrag.
Außerdem wird in der Privaten Krankenversicherung durch Selbstbeteiligung oder Rückvergütung wesentlich stärker auf das Kostenbewusstsein der Versicherten gesetzt.
Man ist also schon versucht nicht “alles mitzunehmen was geht”.

Irrtum 4: Privat Krankenversicherte sind vor Beitragserhöhung sicher

Definitiv sicher sind Privat Versicherte vor Erhöhungen der Gesetzlichen Krankenkasse :-). Aber auch – oder gerade die – Privaten Krankenversicherungen erhöhen ihre Beiträge nahezu jedes Jahr. Das hängt natürlich von der jeweiligen Krankenversicherung ab.
Ich habe noch mit 37 meine Private Krankenversicherung gewechselt, weil die alte Versicherung jedes Jahr die Beiträge um knapp 10% erhöht hat. Da ist dann schnell die Luft raus. Daher beim Abschluss einer Privaten Krankenversicherung unbedingt auf die Beitragssteigerungen der letzten Jahre achten!

Irrtum 5: Auch Kinder können privat versichert werden

Das stimmt so, suggeriert aber etwas Falsches. Es gibt keine Familienversicherung bei der Privaten Krankenversicherung. Kinder sind daher nicht “automatisch” mitversichert.
Für Kinder müssen jeweils einzeln eine Police abgeschlossen werden und dementsprechend kostet jedes Kind monatliche Beiträge.
Es ist im Übrigen auch nicht möglich, die Kinder beim “nebenverdienenden”, gesetzlich versicherten Elternteil in die Familienversicherung zu stecken.
Geregelt ist, dass Kinder bei dem Partner zu versichern sind, der das höhere Einkommen bezieht.

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Kommentare

10 Antworten zu “Die 5 gefährlichsten Fehlannahmen über die Private Krankenversicherung”
  1. Ich kann nur sagen – Deine Seite ist gut & übersichtlich gestaltet und der Text ist richtig klasse geschrieben – sehr lesenswert und informativ ! Großes Lob ;o)

  2. Julia sagt:

    Super Artikel.

    Viele Leute gehen immer mit der Erwartung an eine PKV heran, dass Sie dort wie ein König behandelt werden. Natürlich hat man gewisse Vorzüge, aber die Nachteile bestehen genauso.

  3. stefan sagt:

    Hallo Julia,

    danke für deinen Kommentar.
    Na ja. Wie ein König wird man tatsächlich nicht behandelt.
    Aber man bekommt immerhin einen Termin. Aktuell ist das für Kassenpatienten beim Zahnarzt ja ein ziemliches Problem.

    Außerdem muss ich meistens nicht wirklich warten. Ich erinnere mich an deutliche Wartezeiten als Kassenpatient. Da konnte ich immer 1/2 Tag freinehmen für einen Arztbesuch.

    Andererseits habe ich aber auch häufig das Gefühl, ich befinde mich beim Arzt in einem Verkaufsgespräch. Da werden mir immer noch alle möglichen Zusatzuntersuchungen und -dienstleistungen angeboten. Manchmal fällt es da schwer zwischen medizinisch notwendig und nur vollgelabert zu unterscheiden.

  4. Danke für die vielen wertvollen Tipps!

  5. Mirion sagt:

    Fairerweise muss man sagen, dass es im Alter auch ganz anders werden kann :-(

    • svogel sagt:

      Hallo Mirion,

      danke für deinen Kommentar. Was kann denn anders werden?
      Hast du Erfahrungen oder kennst du jemanden?
      Wäre ja ganz interessant. Berichte doch mal.

  6. Erwin sagt:

    Die meisten Privatpatienten bestätigen ja selbst, dass es so ist. Allerdings wird man nicht überall besser behandelt. Die Erfahrungen meines Kollegen auf http://www.pkv-vergleich-direkt.de/wird-man-als-privatpatient-wirklich-besser-behandelt-erfahrungen/ zeigen, dass dies vor allem bei Spezialisten zutrifft. Ein normaler Hausarzt könnte sich auch gar nicht leisten ein solches Verhalten an den Tag zu legen.

    Wir brauchen einfach eine Bürgerversicherung in der jeder gleich behandelt wird. Diese wird es aber zumindest in naher Zukunft nicht geben.

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