Sind Banker gierig?

Februar 28, 2010 3 Kommentare 

Im Buch „Minimum“ von Frank Schirrmacher ist ein interessanter „Versuch“ beschrieben:

Es wurden drei Gruppen Studenten untersucht. Jede Gruppe besuchte ein Seminar. Die erste Gruppe besuchte das Seminar „Astronomie“, die Zweite „Wirtschaftsgeschichte des maoistischen China“ und die Dritte „Ökonomie“.
Vor und nach dem Seminar mussten die Studenten einen Fragebogen ausfüllen mit der Aufgabe:

Ein PC-Laden-Besitzer bestellt zehn PCs. Bei der Lieferung stellt er fest, dass er nur eine Rechnung über neun Geräte erhalten hat.
Was wird der Käufer tun?

  1. Er bittet um Korrektur der Rechnung zu seinen Lasten
  2. Er unternimmt nichts weiter und hofft, dass der Fehler unentdeckt bleibt

Dieser Versuch geht zurück auf Robert H. Frank von der Cornell-Universität
(Die Studie „Does Studying Economics Inhibit Cooperation“ kann als PDF heruntergeladen werden)

Die ersten beiden Gruppen („Astronomie“ und „Wirtschaftsgeschichte des maoistischen China“) schätzten den Verkäufer bei der ersten und zweiten Befragung überwiegend ehrlich ein.

Die dritte Gruppe jedoch (mit ihrer Einführung über ökonomisches Denken) verlor offenbar den Glauben an das Gute im Menschen.
Ebenfalls war der Prozentsatz derjenigen gestiegen, die selbst auch unehrlich handeln würden.

Lt. Schirrmacher bzw. Robert H. Frank ist es nicht die Gier, die den Wandel der moralischen Grundwerte der Studenten herbeigeführt hat. Die Studenten hatten durch das Ökonomie-Seminar vielmehr gelernt „[…] wie menschliche Austauschverhältnisse funktionieren […]“.

Das Grundproblem ist eher:

Wenn ich so dumm bin, etwas zu tun, was moralisch richtig ist, was aber alle anderen nicht tun – verliere ich dann nicht schon dadurch, dass die anderen etwas gewinnen? (F. Schirrmacher)

Genau das ist doch der Punkt, der an den „Bankern“ in letzter Zeit kritisiert wird. Sie sind eigentlich gar nicht „gierig“. Nein, sie kennen eben nur die ökonomischen Grundregeln und wenn diese angewendet werden, kommt man eben in Nachteil, wenn andere einen Vorteil bekommen.
Moral oder Ethik steht hierbei überhaupt gar nicht auf dem Programm.

Und wenn ich unsere Gesellschaft anschaue, dann bekomme ich den Eindruck als wären die Banker nur die ersten, die aus der Ökonomie ihre „moralischen“ (bzw. nicht-moralischen, sondern eben ökonomischen – der Böse könnte sagen „unmoralischen“) Schlüsse ziehen.
In nächster „Generation“ werden alle durch das kapitalistische Wirtschaftsdenken durchtränkt, so das jeglicher Altruismus in der Gesellschaft zum Erliegen kommt.

Eine schreckliche Vorstellung oder was meint ihr?

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3 Antworten zu “Sind Banker gierig?”

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    1. svogel sagt:

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